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Gibt es nach IFRS 11 eine Quotenkonsolidierung?

Der nachfolgende Beitrag zeigt, dass die Methode der Quotenkonsolidierung ggf. bei der Erstellung eines IFRS-Einzelabschlusses wie eines IFRS-Konzernabschlusses anzuwenden ist, obwohl diese Methode nach IFRS nicht vorgesehen ist.

Seitdem für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2013 (01.01.2014 in der EU) beginnen, IFRS 11 anzuwenden ist, besteht für den IFRS-Abschluss das Wahlrecht der Anwendung der Methode der anteilmäßigen Konsolidierung (sog. Quotenkonsolidierung) von Gemeinschaftsunternehmen nicht mehr. IFRS 11 unterscheidet zwischen Gemeinschaftsunternehmen einerseits und gemeinschaftlichen Tätigkeiten andererseits. Während Anteile an Gemeinschaftsunternehmen gemäß IFRS 11.24 von an der gemeinschaftlichen Führung beteiligten Unternehmen at Equity zu bewerten sind, haben Partnerunternehmen sog. gemeinschaftlicher Tätigkeiten gemäß IFRS 11.20-22 ihre Anteile an den Vermögenswerten, Schulden, Erträgen und Aufwendungen anteilmäßig zu erfassen. Das ist z.B. der Fall, wenn zwei Partnerunternehmen bei der Durchführung eines Bauprojekts kooperieren, ohne dafür eine gesonderte Gesellschaft gegründet zu haben, auch wenn die Kooperation juristisch als BGB-Innengesellschaft zu qualifizieren ist. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass jede gemeinschaftlich geführte Gesellschaft ein Gemeinschaftsunternehmen ist. Vielmehr kann eine solche Gesellschaft gemäß IFRS 11.B19 ff. je nach Ausgestaltung als gemeinschaftliche Tätigkeit zu qualifizieren sein, so dass die genannten Größen von den Partnerunternehmen anteilmäßig zu erfassen sind.

Da IFRS 11.20 gemäß IFRS 11.26(a)  jedoch nicht nur auf den Konzernabschluss, sondern auch auf den Einzelabschluss anzuwenden ist, ist die anteilmäßige Erfassung der Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Aufwendungen eigentlich kein konsolidierungstechnisches Problem. Die anteilmäßige Erfassung hat bereits im IFRS-Einzelabschluss des Partnerunternehmens zu erfolgen. Allerdings müssen nicht notwendigerweise vollständige IFRS-Einzelabschlüsse der Konzernunternehmen  die Ausgangsgrundlage für die Erstellung des Konzernabschlusses sein, zumal diese ihre Einzelabschlüsse regelmäßig nach anderen Bilanzierungsvorschriften, z.B. nach HGB, erstellen. In den Handelsbilanzen II und III der Konzernunternehmen können deshalb Anteile an einer als gemeinschaftliche Tätigkeit zu qualifizierenden Gesellschaft noch als solche ausgewiesen sein. Dann sind die Regeln gemäß IFRS 11.20-22 durch die anteilmäßige Konsolidierung einer solchen Gesellschaft anzuwenden. Aber auch wenn bereits in einem vollumfänglichen IFRS-Einzelabschluss die Abschlusspositionen einer solchen Gesellschaft anteilmäßig erfasst werden sollen, ist die Quotenkonsolidierung dafür eine geeignete Methode, da das bilanzierende Unternehmen rechtlich Anteile an einer Gesellschaft hält, die in der Buchführung wie auch im HGB-Jahresabschluss als solche erfasst sind.

Festzuhalten ist somit, dass die Quotenkonsolidierung nach IFRS 11 zwar nicht mehr als wahlweise anwendbare Methode vorgesehen ist, diese je nach Organisation der Konzernabschlusserstellung aber dennoch eine geeignete Methode sein kann, um als gemeinschaftliche Tätigkeiten zu qualifizierende Gesellschaften nicht nur im Konzernabschluss, sondern auch im Einzelabschluss in Übereinstimmung mit IFRS 11 abzubilden.